Meilensteine in der Medizin - Entdeckung der DNS

© vegefox.com AdobeStock 79698599
Eine der bedeutendsten Entdeckungen der Medizin ist vergleichsweise neu: Die DNS (Desoxyribonukleinsäure), gerne auch als "Bauplan des Lebens" bezeichnet. Sie wurde Anfang der 1950er Jahre entdeckt, genauer gesagt am 28.Februar 1953. Damit jährt sich ihre Entdeckung bald erst zum 70. Mal. Die englische Abkürzung, die häufiger im alltäglichen Sprachgebrauch verwendet wird, lautet DNA. Es handelt sich dabei um die berühmte Doppelhelix, die 23 Chromosomenpaare des menschlichen Erbguts. Die DNS befindet sich zu einem großen Teil im Zellkern jeder Körperzelle und wird bei der Teilung der Zellen wieder mit an die neu entstehenden Zellen weitergegeben.
Auf der Grundlage dieser wichtigen Entdeckung waren weitere Forschungen und Erkenntnisse möglich, von denen wir heute stark profitieren. So kann man beispielsweise Ursachen für Erkrankungen im Erbgut nachweisen und inzwischen schon sehr genaue Tests machen, um diese aufzufinden. Ohne die Entdeckung der DNS wäre die gesamte Gentechnik undenkbar. Eingriffe ins Erbgut sind nur auf der Basis dieses wissenschaftlichen Meilensteins möglich.
Die DNS eines jeden Menschen ist individuell, doch die DNS von Personen, die nahe miteinander verwandt sind, weisen grundlegende Gemeinsamkeiten auf. So kann die DNS auch zum Nachweis von Elternschaft oder Verwandtschaft dienen oder im kriminaltechnischen Bereich dazu verhelfen, Leichen auch nach Jahren zu identifizieren.
Die DNS setzt sich bei jedem Menschen aus den Chromosomen zusammen, die bei der Entstehung von Embryonen von den Eltern vererbt werden: Von jedem Elternteil erhält das entstehende Baby 23 Chromosomen, aus denen die 23 Chromosomenpaare (also insgesamt 46 Chromosomen) werden.
Die Enden der Chromosomen und die dort vorhandenen besonderen DNS-Sequenzen stehen inzwischen im Verdacht, im Zusammenhang mit dem menschlichen Alterungsprozess zu stehen. Diese DNS-Sequenzen verkürzen sich nämlich bei jeder Teilung der Zelle und bei der Unterschreitung einer gewissen Länge stirbt die Zelle ab.

Wie es bei großen wissenschaftlichen Meilensteinen häufig der Fall ist, wurde die DNS oder auch DNA nach einer langen Reihe von Vorarbeiten entdeckt. Die Forschungsarbeiten bis zum ersten Modell sind ähnlich umfangreich wie die Möglichkeiten, die sich der Wissenschaft und der Medizin durch die Entdeckung bieten. So wurde das Nuklein bereits im Jahr 1869 von Friedrich Miescher entdeckt. Richard Altmann gelang es schließlich 1889, aus dem Nuklein Proteine und die Nukleinsäure zu isolieren. Im weiteren Verlauf wurden die Substanzen identifiziert, die im Wesentlichen die Bausteine des Nukleins bilden.
Die Entdeckung der DNS hat also eine sehr lange Vorgeschichte, die in den 1950er Jahren deutlich Fahrt aufnahm. Gleich mehrere Wissenschaftler wetteiferten darum, den entscheidenden Durchbruch zu erzielen. Als Entdecker der DNS gewannen schließlich
Watson, Crick und Wilkins im Jahr 1962 gemeinsam den Nobelpreis für Medizin. Watson und Crick werden bis heute als die Entdecker der DNS aufgeführt. Dabei fehlt in dieser Aufzählung eine wichtige Person, die vier Jahre, bevor Watson, Crick und Wilkins ihren Nobelpreis erhielten, verstarb: Rosalind Franklin, die britische Biochemikerin, deren Röntgenaufnahmen zeigten, wie die Struktur der DNS im Endeffekt aussehen musste. Diese Aufnahmen, die Franklin angefertigt hatte, machte Wilkins wiederum Watson zugänglich. Watson und Crick konnten daraus die entscheidenden Schlussfolgerungen ziehen, die schließlich zum Durchbruch führten.
Ohne die Daten von Franklin hätten Watson und Crick ihr Modell der DNS nicht entwickeln können. Darüber hinaus hätte sich Watson in seinen eigenen Theorien zur DNS grundlegend geirrt. Dieser Irrtum wurde nur durch die Aufnahmen von Franklin rechtzeitig berichtigt, sodass er schließlich ein richtiges Modell entwickeln konnte und kein fehlerhaftes. Trotz dieses entscheidenden Beitrags bleibt Franklin in den meisten Fällen unberücksichtigt, wenn es um die Entdeckung der DNS geht.
Tatsächlich wurden die Daten, die Franklin bei ihrer Arbeit erhoben hatte, und das DNS -Modell von Watson und Crick in derselben Ausgabe einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht. Doch die bahnbrechende Erstellung des DNS -Modells erregte deutlich mehr Aufmerksamkeit als die reinen wissenschaftlichen Daten, auch wenn diese wesentliche Grundlagen für die Entdeckung der DNS darstellten.

Empfehlungen

  1. 1
  2. 2

Weitere Artikel

  • Zauberhaftes Zink: Stärkung für das Immunsystem

    Zauberhaftes Zink: Stärkung für das Immunsystem

    Zink ist ein Multitalent an vielen Stoffwechselvorgängen, Heilungsprozessen, Sinneswahrnehmungen und vielem mehr. Wir benötigen Zink „mit Haut und Haar“. Neben dem Eisen ist Zink eines der wichtigen Mineralien.

  • Folsäure und Jod in der Schwangerschaft

    Folsäure und Jod in der Schwangerschaft

    Während einer Schwangerschaft hat der Körper der Mutter einen höheren Bedarf an manchen Nährstoffen, was weitestgehend bekannt ist. So nehmen die meisten Frauen zusätzlich Folsäure.

  • Homöopathie bei PMS

    Homöopathie bei PMS

    Das prämenstruelle Syndrom (PMS) tritt bei den betroffenen Frauen nach dem Eisprung, in der zweiten Zyklushälfte auf. Die Beschwerden können sich erst kurz oder bereits 14 Tage vor der Periode bemerkbar machen.

  • Grippewelle kommt - Impfen schützt davor

    Grippewelle kommt - Impfen schützt davor

    Gegen Jahresende steckt man mitten zwischen der Hochsaison für Erkältungen und der für Grippe. Häufig hat man die ersten Erkältungssymptome sogar schon hinter sich.

  • Was sind Antioxidantien?

    Was sind Antioxidantien?

    Antioxidantien sind in aller Munde. In Form von Obst und Gemüse, Speiseöl, Eiern, Nüssen etc. und auch im übertragenen Sinne, denn viele Menschen fragen sich: Haben diese Antioxidantien die Aufmerksamkeit verdient?

  • Training bei Kälte verbrennt mehr Kalorien

    Training bei Kälte verbrennt mehr Kalorien

    Generell denkt man beim „Schmelzen“ eher an hohe Temperaturen, doch unser Körperfett schmilzt schneller, wenn es draußen frostig ist. Dieser Effekt entsteht dadurch, dass wir bei Kälte mehr Energie aufwenden müssen.

  • Tricks gegen den Silvesterkater

    Tricks gegen den Silvesterkater

    Der Kater Sylvester aus dem Zeichentrick-Ensemble „Looney Tunes“ gefällt uns eventuell noch – der Silvesterkater dagegen ist ein äußerst unangenehmer Zeitgenosse, der uns den ersten Tag im neuen Jahr vermiest.

  • Guter Vorsatz – der Rauchstopp lohnt sich immer

    Guter Vorsatz – der Rauchstopp lohnt sich immer

    Zum Jahresende geht es für viele Menschen an die guten Vorsätze für das neue Jahr. Ganz oben stehen dabei oft Ziele, die die Gesundheit betreffen, zum Beispiel mehr Sport, aber auch der Rauchstopp.